Wie oft darf man die IHK-Prüfung wiederholen?
Wie oft darf man die IHK-Prüfung wiederholen? Alles, was du wissen musst
Die IHK-Prüfung nicht bestanden – und jetzt? Die gute Nachricht: Du darfst die Prüfung wiederholen. Doch wie oft genau? Welche Fristen gelten? Und was passiert mit bereits bestandenen Teilen? In diesem Ratgeber erfährst du alles zu den offiziellen Regelungen, cleveren Strategien und den häufigsten Fehlern bei der Wiederholung.
Die offizielle Regelung: Zweimal wiederholen
Laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) § 37 Abs. 1 darfst du jede nicht bestandene IHK-Prüfung zweimal wiederholen. Das bedeutet:
- 1. Versuch: Die reguläre Prüfung
- 2. Versuch: Erste Wiederholung
- 3. Versuch: Zweite und letzte Wiederholung
Insgesamt hast du also drei Versuche, um die Prüfung zu bestehen. Diese Regelung gilt für alle IHK-Abschlussprüfungen – egal ob Ausbildungsberuf, Fachwirt, Meister oder Ausbildereignungsprüfung (AEVO).
Wichtig: Fristen beachten
Die Wiederholungsprüfung muss innerhalb einer bestimmten Frist angemeldet werden. In der Regel gilt:
- Mindestens 6 Monate Wartezeit bis zum nächsten Prüfungstermin
- Die Anmeldung erfolgt direkt bei deiner zuständigen IHK
- Prüfungstermine werden in der Regel zweimal jährlich angeboten (Frühjahr und Herbst)
Was passiert mit bereits bestandenen Teilen?
Hier kommt eine der wichtigsten Regelungen: Bestandene Prüfungsteile bleiben erhalten. Das bedeutet:
Bei der Abschlussprüfung (Teil 1 + Teil 2)
- Hast du Teil 1 bestanden, musst du nur Teil 2 wiederholen
- Einzelne bestandene Prüfungsbereiche können auf Antrag angerechnet werden
Bei der Fachwirt-/Meisterprüfung
- Bestandene Handlungsbereiche werden angerechnet
- Du musst nur die nicht bestandenen Teile wiederholen
- Die Anrechnung gilt in der Regel für zwei Jahre
Bei der AEVO-Prüfung
- Der schriftliche und praktische Teil werden getrennt bewertet
- Bestandene Teile können angerechnet werden
> Tipp: Informiere dich bei deiner IHK über die genauen Anrechnungsmodalitäten – diese können regional leicht variieren.
Kosten der Wiederholungsprüfung
Die Wiederholung ist nicht kostenlos. Mit folgenden Gebühren musst du rechnen:
| Prüfungsart | Erstprüfung | Wiederholung | |---|---|---| | Ausbildungsprüfung | 80–150 € | 50–100 € | | Fachwirt | 350–500 € | 150–300 € | | Meisterprüfung | 400–700 € | 200–400 € | | AEVO | 150–200 € | 80–120 € |
Die Gebühren variieren je nach IHK-Bezirk.
Bei der Wiederholung zahlst du in der Regel nur für die nicht bestandenen Prüfungsteile, was die Kosten reduziert.
Die 5 häufigsten Fehler bei der Wiederholung
1. Gleiche Vorbereitung, gleiches Ergebnis
Der größte Fehler: Einfach das gleiche Lernmaterial nochmal durcharbeiten. Wenn die erste Vorbereitung nicht ausgereicht hat, muss die Strategie geändert werden.
2. Zu kurze Vorbereitungszeit
Viele unterschätzen den Aufwand und starten zu spät. Plane mindestens 3–4 Monate strukturierte Vorbereitung ein.
3. Prüfungsangst ignorieren
Wer einmal durchgefallen ist, hat beim nächsten Mal oft noch mehr Druck. Gezielte Prüfungssimulationen und Entspannungstechniken helfen.
4. Feedback nicht nutzen
Die IHK gibt dir Auskunft über deine Ergebnisse. Nutze die Prüfungseinsicht, um genau zu verstehen, wo die Schwächen lagen.
5. Keine professionelle Unterstützung
Gerade beim zweiten oder dritten Versuch lohnt sich professionelle Prüfungsvorbereitung mit adaptiven Lernmethoden.
Strategien für die erfolgreiche Wiederholung
Analyse der Schwachstellen
Bevor du mit dem Lernen beginnst:
- Prüfungseinsicht beantragen bei deiner IHK
- Ergebnis analysieren: Welche Themengebiete waren mangelhaft?
- Lernplan erstellen: Fokus auf die schwachen Bereiche, aber Gesamtstoff nicht vernachlässigen
Lernmethoden anpassen
- Aktives Lernen statt passives Lesen: Karteikarten, Übungsaufgaben, Erklären
- Prüfungssimulationen: Zeitdruck und Prüfungsformat üben
- Spaced Repetition: Wissenschaftlich bewiesene Wiederholungsintervalle nutzen
- Lerngruppen: Gegenseitiges Erklären festigt Wissen
Digitale Prüfungsvorbereitung
Moderne Online-Lernplattformen bieten gegenüber klassischen Lehrbüchern entscheidende Vorteile:
- Adaptive Algorithmen erkennen deine Wissenslücken
- Sofortiges Feedback bei jeder Übungsfrage
- Prüfungssimulationen unter realistischen Bedingungen
- Flexibles Lernen – wann und wo du willst
Sonderfall: Mündliche Ergänzungsprüfung
Bevor du die gesamte Prüfung wiederholst, prüfe ob eine mündliche Ergänzungsprüfung möglich ist. Diese wird angeboten, wenn:
- Du in einem schriftlichen Prüfungsbereich zwischen 30 und 49 Punkten erzielt hast
- Das Gesamtergebnis durch Bestehen dieses Bereichs zum Bestehen führen würde
Die mündliche Ergänzungsprüfung dauert ca. 15 Minuten und die Bewertung wird im Verhältnis 2:1 (schriftlich:mündlich) gewichtet.
Was tun nach dem dritten Fehlversuch?
Drei Versuche nicht bestanden – was nun? Es gibt Optionen:
- Andere IHK-Prüfung: Du kannst einen verwandten Beruf oder eine andere Qualifikation anstreben
- Externenprüfung: Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine erneute Zulassung möglich
- Alternative Qualifikationen: Brancheninterne Zertifikate oder Weiterbildungen
- Härtefallanträge: In begründeten Ausnahmefällen (z.B. Krankheit) kann ein weiterer Versuch genehmigt werden
FAQ: Häufige Fragen zur IHK-Prüfungswiederholung
Muss ich für die Wiederholung erneut zur Berufsschule?
Nein, bei der Abschlussprüfung ist der Berufsschulbesuch nicht erneut erforderlich. Du bereitest dich eigenständig vor.
Kann mein Arbeitgeber mir die Wiederholung verweigern?
Während der Ausbildung hat dein Arbeitgeber die Pflicht, dich freizustellen. Nach der Ausbildung besteht kein gesetzlicher Freistellungsanspruch.
Verlängert sich meine Ausbildung automatisch?
Auf deinen Antrag hin kann die Ausbildung bis zur nächsten Wiederholungsprüfung verlängert werden (max. 1 Jahr). Der Arbeitgeber muss zustimmen.
Steht die nicht bestandene Prüfung im Zeugnis?
Nein, nur bestandene Prüfungen werden im IHK-Zeugnis dokumentiert. Fehlversuche erscheinen nicht.
Kann ich die Prüfung bei einer anderen IHK wiederholen?
Grundsätzlich ja, allerdings musst du dich bei der neuen IHK anmelden und ggf. eine Zulassung beantragen.
Fazit: Durchfallen ist kein Beinbruch
Rund 10 % aller IHK-Prüflinge bestehen beim ersten Versuch nicht – du bist also nicht allein. Mit der richtigen Strategie, ausreichend Vorbereitungszeit und modernen Lernmethoden steigen deine Chancen beim nächsten Versuch erheblich. Nutze die Zeit zwischen den Versuchen klug und investiere in eine strukturierte Prüfungsvorbereitung, die sich an deinen individuellen Wissenslücken orientiert.
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